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BeitragVerfasst: Dienstag 28. Juni 2011, 08:50 
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Persönlichkeit, Spielsystem und Material

Jeder Spieler besitzt einerseits tief verwurzelte und kaum änderbare Charaktereigenschaften und andererseits erlernte individuelle Muster, wie im Training agiert und in Wettkampfsituationen gehandelt wird. Daher ist es erst einmal grundlegend, sich selbst gut kennen und einschätzen zu lernen. Auf Grund der Summe der Persönlichkeitsmerkmale findet der Spieler idealerweise ein passendes Spielsystem mit entsprechenden Taktiken. Das Spielsystem selbst ist die Grundlage für die Wahl des geeigneten Materials. Besonderer Aufmerksamkeit bedarf es bei der Wahl des geeigneten Schlägerholzes, da es die Seele des Schlägers darstellt. Die Wahl der Beläge hängt einerseits von deren Eignung und andererseits von den eigenen Präferenzen ab.

Ich unterscheide fünf verschiedene Spielsysteme mit Material: Störspiel am Tisch, tischnahes Angriffsspiel mit Material, modernes Abwehrspiel aus der Halbdistanz, die klassische Abwehr aus der Langdistanz und das moderne Allroundspiel. Rein von der Persönlichkeit und den Möglichkeiten ausgehend, wird es ein Spielsystem nie in Reinkultur geben und jeder hat Präferenzen für mindestens eine weitere Distanz. Darum empfiehlt sich, ein zweites verwandtes Spielsystem zu trainieren, um für die Gegner unberechenbarer zu sein, Schwächen des eigenen Spielsystems zu kompensieren und allgemein über mehr taktische Varianten zu verfügen.

Damit wir hier im Forum nicht aneinander vorbei diskutieren, schlage ich vor, dass jeder sein bevorzugtes Spielsystem in seine Signatur einträgt.

Der tischnahe Störspieler

Typologie
Der typische Störspieler ist ein bodenständiger, eher zurückhaltender und geduldiger Mensch. Er ist handelt überlegt, hat eine flexible und introvertierte Grundhaltung und bemüht sich, nach aussen hin unantastbar oder gar unverwundbar zu wirken. Er ist der Minimalist unter den TT-Spielern und bewegt sich nur, wenn es sich auch wirklich auszahlt. Gegnerische Fehler sind ihm sehr willkommen. Er lässt sich scheinbar nur schwer aus der Ruhe bringen und spielt unbeeindruckt seinen Stiefel runter. Niederlagen stören ihn vordergründig nicht besonders und er geht davon aus, dass es bei einer nächsten Begegnung mit dem ähnlich starken Gegner für einen Sieg reichen wird.

Spielsystem
Das Störspiel ist ein tischnahes und insgesamt passives Spielsystem. Der Anti eignet sich sehr gut für einen VH-orientierten Spielstil (s. Cai Zhenhua): Gestört wird mit dem Anti auf der RH und gepunktet mit dem NI-Belag auf der VH. Das bedingt eine gute Schnelligkeit am Tisch, um mit der VH von jeder Position aus angreifen zu können. Die Kombi LN und KN ist für Spieler (s. Pascal Tröger) geeignet, die beidseitig orientiert sind: Die LN auf der RH hält den Ball im Spiel, provoziert gegnerische Fehler und gepunktet wird mit den Schüssen der KN. Der Wechselpunkt ist so quasi die Achillesferse dieses Stils und es bedarf einer erhöhten Beweglichkeit, um den Ball zum Wechselpunkt mit der RH und der VH sicher spielen zu können.

Material
Ein geeignetes Holz ist eher langsam ausgelegt und bringt ein eher hartes Anschlagsgefühl mit. Geeignet sind demnach kontrollierte Hölzer mit Kunststoff-Zwischenurnieren (z.B. NSD) oder Balsahölzer im ALL-Bereich. Als Störbeläge bieten sich sowohl der Anti als auch die LN mit Dämpfungsschwamm oder die OX-LN an. Der Anti-Belag hat seine Stärke in der sehr hohen Kontrolle gegenüber der LN, ist jedoch weniger gefährlich bzw. berechenbarer. Die lange Noppe besticht durch bessere Störmöglichkeiten und Schnittvariationen, ist jedoch weniger kontrolliert wie der Anti. Seit dem Verbot von glatten LN empfiehlt es sich, die griffige lange Noppe mit Dämpfungsschwamm für das Störspiel oder eine OX-Version zu verwenden.

Taktik
Das Störspiel zielt darauf ab, gegnerische Fehler zu provozieren, tödliche Angriffe zu verhindern und Möglichkeiten für eigene erfolgreiche Attacken zu schaffen. Der gegnerische Angriff wird durch ungewöhnliche Bälle gestört oder gar verhindert. Überraschende Flugkurven der Bälle, eklige Platzierungen, ungewöhnliche Tempi und seltsame Schnittvariationen sind im Arsenal des Störspielers. Er liebt es, gegen tischnahe Angreifer zu spielen. Diesen fällt es besonders schwer, angemessen auf die Bälle des Störbelags zu reagieren. Statt den notwendigen Schritt nach hinten zu gehen, schlagen diese die Bälle häufig wie gewohnt in der aufsteigenden Phase und produzieren damit nicht wenige Fehler. Ausgeglichen gestalten sich in der Regel Partien gegen Angreifer aus der Halbdistanz. Die sind variabel genug, den Störball adäquat zu ziehen, auch mal zu schupfen oder bei günstiger Gelegenheit voll durchzuziehen.

Nebentaktik
Sehr unangenehm für den Störspieler ist der klassische Abwehrspieler oder der kontrollierte Topspinspieler. Diese leben gleichfalls von den Fehlern ihrer Gegner und der Störspieler ist gezwungen, selber den Angriff zu suchen. Defizite des tischnahen Materialspiels sind die begrenzten Möglichkeiten, mit dem Material selbst gutes Tempo oder Rotation zu erzeugen. Daher bietet es sich für den beidseitig orientierten Störspieler an, das Drehen des Schlägers zu beherrschen, um mit dem Angriffsbelag beidseitig Rotation und höheres Tempo zu erzeugen. Der vorhand-orientierte Störspieler setzt seine VH für den Angriff ein, sollte jedoch zwingend den Schritt nach hinten gehen. Dieser Wechsel der Distanz ist für den Störspieler nicht selbstverständlich und muss im Training besonders häufig geübt werden.


Der tischnahe Angreifer mit Material

Typologie
Dieser Typ ist gesellig, sorglos und insgesamt extravertiert. Er beteiligt sich aktiv am TT-Leben (Verein, Mannschaft, Forum, etc.) und gibt auch gerne mal den Ton an. Der Spielertyp ist ein Meister darin, die Kräfte einzuteilen und im richtigen Moment mit schnellen und gut platzierten Schlägen zu punkten. Oft hat er eine wendige Konstitution und eine überdurchschnittliche Schnelligkeit der Extremitäten. Der Spielertyp denkt recht linear und alles nicht Vorhersehbare ist ihm ein Gräuel. Beharrlich hält er an seinem Spielsystem fest, was zu grosser Sicherheit aber auch fehlender Flexibilität führt.

Spielsystem
Grundsätzlich ist das ein tischnahes und aktives Spielsystem. Es gibt zwei grundlegende Möglichkeiten, diesen Spielstil mit Material zu pflegen. Der vorhand-orientierte Angreifer (s. Tan Ruiwu) nutzt den Belag auf der RH als Bringerbelag. Auf der VH wird oft ein NI-Belag oder eine griffige KN eingesetzt und damit aggressiv angegriffen. Andererseits gibt es den beidseitigen Materialspieler (s. SONG Ah Sim / Juic Masterspin Special - Juic Offense). Dieses System versucht erst einmal mit kontrolliertem Block- und Konterspiel zu punkten und bei günstiger Gelegenheit auch mal harte Angriffsbälle zu lancieren. Das Spielsystem braucht insgesamt ein gutes Timing und ein überdurchschnittlich ausgeprägte Antizipationsfähigkeit, da die Ballwechsel auch mal schnell werden können.

Material
Da das Spielsystem hauptsächlich von der Schnelligkeit und guten Platzierungen lebt, braucht es ein hartes und schnelles Holz für das tischnahe Agieren. Die Bälle werden in der aufsteigenden Phase bzw. auf ungefährer Netzhöhe getroffen. Es kommen sehr verschiedene Typen von Noppen- und Antibelägen in Frage: Noppengummi alla BTY Orthodox, Schwammnoppen alla Dr. Neubauer Tornado Ultra, lange Noppe alla Armstrong Twister mit dünnem Schwamm oder ein etwas griffiger Anti.

Taktik
Das Material dient in erster Linie dazu, scheinbar unbeeindruckt gegnerische Angriffsbälle gekonnt zu parieren und nach Möglichkeit direkte Punkte damit zu erzielen. Oft wird auch mit der passiveren Seite (LN, MLN) angegriffen, was sehr irritierend für die Gegner ist. Der Spielertyp liebt es besonders, gegen tischferne Angreifer zu spielen. Mit seinem effizienten Block- und Konterspiel hält er den Topspinspieler auf Trab, bis dieser auf Grund der weiten Wege den Ball nicht mehr erreichen kann. Der frühe Ballkontakt beim Aktivblock und Konter gepaart mit weiten Platzierungen führen so häufig zum Punkt. Unsichere gegnerische Rückschläge und allgemein zu hohe Bälle werden sofort mit harten Kernschüssen bzw. Schlagspins angegriffen. Gegen klassische Abwehr und spinorientiertes Topspinspiel verhält es sich ausgeglichen, wobei der Spieler gewinnt, dem eine bessere Balance zwischen Risiko und Sicherheit gelingt.

Nebentaktik
Da der Stil den mehr zentralen Balltreffpunkt bevorzugt und von flachen und schnellen Bällen der Gegner lebt, fürchtet der Spieler alles was mit wenig Tempo und viel Rotation ankommt. Gegen Rotationsspieler aus der Halbdistanz und Abwehrspieler mit variablem Schnitt tut er sich äussert schwer. Hier ist es ratsam, mehr mit der aggressiveren Seite zu spielen, einen Schritt nach hinten zu gehen und vermehrt den sicheren (Topspin-) Angriff zu suchen.


Der moderne Abwehrspieler

Typologie
Für ihn gelten die gleichen Eigenschaften wie für den Angriffsspieler. Willensstark, furchtlos und entschlossen stellt er sich den gegnerischen Attacken und nutzt jede Chance für eigene Angriffe. Die Persönlichkeit ist geprägt von hoher Variabilität, Risikobereitschaft und der notwendigen Portion Extravertiertheit. Entschlossen und ausdauernd pflegt er sein Spielsystem und zieht seine Taktik selbst bei einer drohenden Niederlage voll durch. Es könnte ja gut sein, dass der Gegner gegen Schluss doch noch den berühmten eisernen Arm kriegt und sich letztlich geschlagen geben muss. Nicht selten steigert sich der moderne Abwehrspieler während dem Verlauf des Matches, wird immer sicherer und gewinnt erst im letzten Satz. Es ist dieses ausdauernde und heldenhafte Verhalten, was uns Zuschauer immer wieder begeistert.

Spielsystem
Der typisch VH-orientierte moderne Verteidiger (z.B. Chen Weixing) spielt auf der VH kaum je einen Abwehrschlag. Stattdessen liftet er die gegnerischen Topspins mit viel Rotation und guter Länge. Selber greift er hart und tödlich mit der VH an, wobei er für seine Angriffe auch öfters die RH umläuft. Ziel ist der tödliche Endschlag nicht der gegnerische Fehler, der trotzdem gerne angenommen wird. Der beidseitig orientierte moderne Abwehrspieler (z.B. Joo Se Hyuk) verteidigt mit VH und RH, greift vorwiegend mit der VH an und spielt ab und zu auch mit seiner RH (Noppenkonter oder NI-Schuss) aktiv.

Material
Ideal für die Distanz und den Stil ist ein vergrössertes Schlägerblatt, was Stabilität in die Abwehrbälle bringt. Die erhöhte Kopflastigkeit des Schlägers verstärkt die Rotation der Abwehr- und Angriffsbälle. Das Tempo des Holzes liegt idealerweise im unteren OFF-Bereich, was den eigenen Angriff unterstützt. Das weiche Anschlagsgefühl des Holzes unterstützt eine mehr gebogene Flugkurve und eine gute Rückmeldung, was es für die Abwehrbälle aus der Halbdistanz braucht. In der Regel werden lange Noppen auf der RH und ein NI-Belag auf der VH gespielt. Denkbar ist auch die kurze Noppe auf der RH, mit der sehr effizient angegriffen werden kann, jedoch schwieriger abzuwehren ist. Anti und NI-Beläge werden eher selten auf der RH eingesetzt, da diese in der Abwehr zu wenig variabel (Anti) bzw. schwierig (NI) zu beherrschen sind.

Taktik
Der moderne Abwehrspieler agiert in der Halbdistanz, wo er genügend Zeit für die Abwehr auch von harten Topspins hat. Die Distanz erlaubt ihm aber auch, für den Gegner unerwartet den eigenen Angriff zu suchen. Punkten tut der Spieler nicht in erster Linie mit seiner sicheren Abwehr oder seinem Angriff, sondern mit seiner Unberechenbarkeit. Voraussetzung ist ein sehr komplettes Schlagrepertoire. Erfolgreich ist der moderne Verteidiger einerseits mit seiner gefährlichen Abwehr, da er den Ball im höchsten Punkt seiner Flugkurve trifft. In diesem Moment ist eine gute Schnittweiterleitung möglich und der Abwehrball kommt flach und mit für diese Distanz gutem Tempo beim Gegner an. Mit guter Länge und wechselnden Platzierungen wird so der Angreifer beschäftigt und möglichst versucht, den harten gegnerischen Endschlag zu verhindern. Andererseits wird oft mit dem unerwarteten Gegentopspins gepunktet. Dieser muss nicht mal sehr hart gespielt dafür überraschend platziert werden und eine gute Länge aufweisen. Da der moderne Abwehrspieler ein verkappter Angreifer ist, spielt sehr gerne gegen klassische Abwehrspieler und spinorientierte Topspinspieler in der Halbdistanz. Da er selber etwas näher zum Tisch steht, kommt er sehr gut in den eigenen Angriff und weiss mit den gegnerischen Schnittbällen gut umzugehen. Gegen Störspieler sieht es sehr ausgeglichen aus. Er hat die nötige Ruhe für die eigenen Angriffe und sollte Störbälle kontrolliert offensiv angehen.

Nebentaktik
Da der moderne Verteidiger ein sehr kompletter Spieler ist, hat er scheinbar kaum Schwächen. Trotzdem entsteht bei ihm ein mulmiges Gefühl, wenn er gegen einen intelligent agierenden tischnahen Angreifer antritt. Dieser lässt sich kaum auf die Spielereien des Verteidigers ein und ist auf kurze Ballwechsel bedacht. Rückschläge auf die eigenen halblangen und schnittarmen Aufschläge werden oft direkt hart angegriffen. Weiter wird ein Schupf- oder Abwehrball kurz oder halblang in die RH abgelegt und ein unsicherer Return nach Möglichkeit sofort hart und tödlich angegriffen. Es bleibt dem Verteidiger nichts anderes übrig, als geduldig mit der NI-Seite zu schupfen, die ersten harten Angriffe zu überstehen, auf Fehler zu hoffen und zu warten, bis sich die Chance für den eigenen Angriff bietet. Das Drehen des Schlägers, um auf der RH-Seite mit dem NI-Belag zu schupfen ist für den beidseitigen modernen Abwehrspieler zwingend notwendig.


Der klassische Verteidiger

Typologie
Mit einer geradezu unerschütterlichen Ruhe ausgestattet behält dieser Typ selbst in brenzligen Situationen die Nerven. Er ist eine Mischung aus emotionaler Stabilität gepaart mit einer grossen Portion Introversion. Auf Niederlagen oder Siege reagiert er trocken und nüchtern, weiss er doch in den meisten Fällen, woran es gelegen hat. Er spielt so präzise wie ein Schweizer Uhrwerk und Punktestände während eines Matches scheinen ihn kaum zu interessieren. Konstanz und Kontinuität ist alles und daraus bezieht er seine Kraft. Er macht keine grossen Worte und spuckt kaum je hohe Töne. Beharrlich hält er an seinem Spielsystem fest und ackert vollkommen konzentriert bis zum Umfallen.

Spielsystem
Klassische Verteidiger leben fast ausschliesslich von Fehlern der Gegner. Er ist ein Meister der Schnittvariation und produziert alle Arten von Abwehrbällen. Schnittarme Bälle, stark unterschnittene Bälle und Bälle mit extrem viel Site-Schnitt erschweren dem Angreifer den kontrollierten Angriff. Die Abwehrbälle sollten allesamt eine sehr gute Länge haben, denn sonst sind sie leichte Beute für einen versierten Angreifer. Selbst mehr gebogene Flugkurven sind erlaubt oder gar gefährlich, solange die Bälle eine gute Länge aufweisen. Auch der klassische Abwehr streut immer mal wieder eigene Angriffe ein, die wegen ihres störenden Effekts nicht selten zu direkten Punkten führen.

Material
Kontrolle ist alles und so verwundert es nicht, dass ein langsames Holz mit einem weichen Anschlagsgefühl passend zum Spielsystem ist. Der vergrösserte Schlägerkopf liefert einen vergrösserten Sweetspot, was gut für die Kontrolle in der Langdistanz ist. Die höhere Kopflastigkeit des Schlägers unterstützt die Rotation. In der Regel wird auf der RH eine lange Noppe gespielt und auf der VH einen eher weichen und schnittigen NI-Belag, mit dem kontrolliert abgewehrt werden kann.

Taktik
Der beidseitige Abwehrspieler (s. Evgueni Chtchetinine) steht mittig zum Tisch und deckt dabei die Winkel ab. Natürlich ist der Wechselpunkt hier eine Schwäche, was wegen der grossen Distanz zum Tisch nicht gravierend ist. Ideal ist die Kombi LN auf der RH und NI auf der VH. Damit sind schon rein auf Grund des Materials diverse Schnittvariationen möglich. Bei Schupf- und kurz abgelegten Bällen in die RH wird der Schläger gedreht und mit dem NI-Belag zurückgeschupft. Der VH-orientierte klassische Abwehrspieler (s. Hou Yingchao) benutzt die VH, um immer mal wieder kontrollierte Angriffe oder geliftete Bälle einzustreuen, um den gegnerische Rhythmus zu stören. Ebenso reizt es ihn aus demselben Grund, auch mal mit der Noppe kontrolliert anzugreifen. Für diesen Typ empfiehlt sich die MLN oder KN auf der RH. Zum einen sind mehr Schnittvariationen möglich und zum andern kann auch mal sicher gegen gekontert werden. Der NI-Belag ist nicht ganz so passiv ausgelegt und mit etwas dickerem Schwamm bestückt, was die kontrollierten Angriffsbälle begünstigt. Der klassische Verteidiger spielt überraschenderweise gerne gegen eher passive und tischnahe Spieler. Es macht ihm nichts aus, dass der Ball zig Mal hin und her geschupft oder geschoben wird. Da der Störspieler von den Angriffen des tischnahen Angreifers lebt und er nur zu Konterzwecken auch mal angreift, verunsichert ihn ein klassischer Verteidiger. Er ist sich nicht gewohnt, jeden Ball dosiert anzugreifen. Der klassische Verteidiger ist auf den tischnahen Angreifer eingestellt, wo es jeweils zu spannenden Begegnungen kommt. Kann der Verteidiger lange Ballwechsel erzwingen hat er leichte Vorteile. Wo sich der tischnahe Angreifer mit der "3. Ball"-Taktik durchsetzt, ist dieser im Vorteil.

Nebentaktik
Sehr schwierig wird es für den Verteidiger, wenn er auf halbdistanz-orientierte Topspinspieler trifft. Diese leben von der starken Rotation und einem ungemein kontrollierten Topspinspiel. Sie machen kaum Fehler auf die Abwehrbälle und der Verteidiger ist physisch und mental extrem gefordert. Da die Bälle relativ weite Wege gehen, besteht die für den Verteidiger die Möglichkeit, den Angriffsball auch mal zu blocken (s. Wang Xi) statt abzuwehren. Mit solchen Aktionen wird der Spielfluss des halbdistanz-orientierten Angreifers empfindlich gestört. Da der halbdistanz-orientierte Angreifer ca. 1 m hinter dem Tisch agiert, ist er besonders empfindlich gegenüber weiten Platzierungen der vom Verteidiger eingestreuten Blockbälle.


Der moderne Allroundspieler

Typologie
Das ist ein extrem neugieriger und äusserst intelligenter Mensch, den fast alles zu interessieren scheint. Die Pflege eines spezialisierten Spielsystems begeistert ihn erst einmal bis es ihn nach einer gewissen Zeit zu langweilen beginnt. Er erkennt sehr schnell die Vor- und Nachteile der Spezialisierung und tendiert nicht selten zu häufigen Wechseln von Spielstil und Material. Bis er für sich herausfindet, was er wirklich möchte, ist er ständig angetrieben. Als kreativer und zugleich chaotischer Mensch unterliegt er dem Reiz des Neuen und findet nur sehr schwer zu einer angestrebten Stabilität. Als sehr vielseitiger Mensch weiss er oft nicht genau, wo seine eigentlichen Stärken liegen. Darüber hinaus hat er Mühe eine geeignete Strategie für das Erreichen seine Ziele zu entwickeln und planvoll voranzuschreiten. Das Fehlen von vertieften Erfahrungen ist auf Dauer erschöpfend und auch öfters frustrierend. Wird er sich irgendwann seiner Polaritäten bewusst und findet er zu seiner inneren Mitte, kann er es mit entsprechender Struktur und Fleiss sehr weit bringen. Der erfolgreiche Allroundtyp bezieht seine Energie so quasi aus der Spannung zwischen den innenwohnenden dualen Polen seiner Persönlichkeit und nicht in der Differenzierung einer einzigen Anlage.

Spielsystem
Da ein modernes Allroundspiel sehr anspruchsvoll ist, bedarf es einer vertiefen Beschäftigungen mit diesem System. Dieser Stil ist grundsätzlich wenig erforscht und wird kaum wahrgenommen. Seit der Ära der orthodoxen Noppenbeläg, wo das Allroundspiel der Inbegriff eines kompletten Spielersystems war, ist dieser Stil regelrecht verkümmert und wartet im Prinzip nur darauf, wieder zum Leben erweckt zu werden. Grundsätzlich wird das moderne Allroundspiel einerseits in Tischnähe (s. Fabian Akerström) und andererseits in der Halbdistanz (s. Ruwen Filus) gespielt. Mögliche Allroundsysteme mit ständigem Wechsel der Distanzen, was in unteren Klassen oft vorkommt, bleiben labil und liefern dem Spieler nicht die erhoffte Konstanz und Sicherheit. Das tischnahe Allroundspiel mit Material ist eine Mischung aus Störspiel und tischnahem Angriffsspiel. Das tischferne Allroundspiel ist eine Mischung aus klassischer Abwehr und topspinorientiertem Angriffsspiel aus der Halbdistanz. In einer Distanz wird ausschliesslich passiv gespielt und in der benachbarten Distanz ausschliesslich aktiv. Das moderne Allroundspiel hat keine Schwächen gegenüber den spezialisierten Spielsystemen und andererseits braucht es Jahre, ein solches System zu entwickeln. So muss der tischferne Allroundspieler z.B. sehr sicher in der beidseitigen langen Abwehr und ebenso sicher im beidseitigen Angriff aus der Halbdistanz sein. Der tischnahe Allroundspieler muss mit seinen beiden Belägen ein lupenreines Störspiel sicher aufziehen können und gleichzeitig über die Möglichkeiten eines beidseitigen tischnahen Angriffspiels verfügen.

Material
Der tischnahe Allrounder orientiert sich bei der Wahl von Holz und VH-Belag am passenden Material für den Block, Konter und Schussspieler (tischnaher Angriff) und es braucht lediglich einen passenden Störbelag. Da das Holz beim Spiel über Tisch mit Vorteil eher hart und schnell ausgelegt ist, passt eine griffige LN mit Dämpfungsschwamm, eine OX-Noppe oder gar eine Antibelag sehr gut. Der tischferne Allrounder orientiert sich grundsätzlich am Material für den modernen Abwehrspieler. Lediglich der Noppenbelag sollte die Anforderungen für die lange Abwehr erfüllen und muss ein richtiger Bringer mit möglichst hoher Schnittweiterleitung sein.

Taktik
Der moderne Allroundspieler ist ein Meister der Improvisation und setzt das geschickt ein. Die Gegner werden immer wieder überrascht und staunen nicht schlecht ab der Variabilität. Der tischnahe Allroundspieler kann den Ball locker halblang rüberschieben, um dann urplötzlich den Angriff zu starten. Der tischferne Allrounder kann locker beidseitig kontrolliert angreifen, um im nächsten Moment wieder in die Abwehr zu gehen. Es gibt für den Allrounder nur eine Regel, nämlich nach keiner erkennbaren Systematik zu spielen, um so für die Gegner völlig unberechenbar zu sein. Natürlich setzt das ein hohes handwerkliches Geschick und grosses Verständnis für die Ballwechsel voraus. Für den echten Allrounder stellt das kein wirkliches Problem dar, da er eine gute Auffassungsgabe und ein grosses Gespür für technische und spielerische Abläufe hat. Das Drehen des Schlägers ist für den modernen Allrounder unabdingbar. Am Tisch dreht der tischnahe Allrounder beim Servicereturn auf der VH-Seite öfters den Schläger, um den Rückschlag mit der Noppe zu tätigen. Aber auch der VH-Flip wird in dieser Situation mit Erfolg angewendet. In der passiven Situation ist er ein Störspieler und kein Abwehrspieler. Daher macht es für ihn Sinn, einen Angriffsball in seine VH tischnahe mit der Noppe abzuwehren. Block und Topspin auf der VH-Seite gehören natürlich zum Standard. Der Störbelag auf der RH wird grundsätzlich sehr variabel eingesetzt: Stoppbälle, halblange Blockbälle, Flips, Druckschupfs und Abstecher. Der tischnahe Allroundspieler dreht auch immer mal wieder, um einen passiven Ball in seine RH mit dem NI-Belag anzugreifen. Grundsätzlich ist das Spielsystem des tischnahen Allrounders VH-orientiert, da er jederzeit über gute Angriffsoptionen verfügen möchte und am Tisch die Zeit fehlt, ständig den Schläger zu drehen. Der tischferne Allrounder ist umgekehrt beidseitig orientiert und verfügt über eine sehr zuverlässige Abwehr. Wie der moderne Abwehrspieler kann er problemlos zum Angriff auf der VH-Seite übergehen und Gegentopspin ziehen. Im Unterschied zum modernen Abwehrspieler ist er nicht darauf angewiesen, die RH zu umlaufen, um auf dieser Seite anzugreifen. Er dreht den Schläger und greift mit der NI-Seite in Form von weichen Topspins an. Ziel ist nicht der harte Endschlag sondern die Variation von Tempo und Rotation und letztlich der Überraschungseffekt.

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BeitragVerfasst: Dienstag 28. Juni 2011, 08:58 
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Ich fuehle mich treffend beschrieben! 8-)

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Variatio hat geschrieben:
Ich fuehle mich treffend beschrieben! 8-)



Vielen Dank :D - Welches Spielsystem trifft auf dich zu?

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martinspin hat geschrieben:
Vielen Dank :D - Welches Spielsystem trifft auf dich zu?

Tischnahes Stoerspiel - alleine das mit dem Material laesst sich noch verbessern, der D.TecS und Badman sind definitiv weich, griffig und elastisch, und nicht wenig griffig und eher hart! :wink:

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BeitragVerfasst: Dienstag 28. Juni 2011, 09:15 
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Variatio hat geschrieben:
martinspin hat geschrieben:
Vielen Dank :D - Welches Spielsystem trifft auf dich zu?

Tischnahes Stoerspiel - alleine das mit dem Material laesst sich noch verbessern, der D.TecS und Badman sind definitiv weich, griffig und elastisch, und nicht wenig griffig und eher hart! :wink:


Das hast du irgendwie Recht. Werde wohl diese konkreten Angaben streichen und es dem Einzelnen überlassen :D

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BeitragVerfasst: Dienstag 28. Juni 2011, 09:36 
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Die einzelnen Spieltypen sind mal sensationell beschrieben. Stammt das aus Deiner Feder ? Echt geil. :lol:


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BeitragVerfasst: Dienstag 28. Juni 2011, 09:48 
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linde hat geschrieben:
Die einzelnen Spieltypen sind mal sensationell beschrieben. Stammt das aus Deiner Feder ? Echt geil. :lol:


Ist alles auf meinen Mist gewachsen :D

Mir geht es darum, einem Suchenden möglichst gute Anhaltspunkte zu vermitteln und Fragen zu beantworten: Welches Spielsystem passt zu mir? Wie wird das System umgesetzt? Welches Material kommt in Frage? Wie verhalte ich mich im Match taktisch gegen die verschiedenen Systeme? Wo liegen die Schwächen und wie kompensiere ich das?

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BeitragVerfasst: Dienstag 28. Juni 2011, 10:00 
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Mhm...ich bin eher extrovertiert, ärgere mich bei Niederlagen, denke das das Spielmaterial eher schnell als langsam sein muss um selbst genügend Druck aufbauen zu können, suche mein Heil eher selber in der Offensive(wobei ich passive Block Konterspieler am ätzensten finde ; ) , der Wechselpunkt ist grade für diesen Spieltyp denke ich die größte Achillesferse, aber nochmehr für Antu/NI VH als für LN/KN, finde grade andere Materialspieler (und da vor allem klassische Abwehrer) und sichere Spinangreifer/Halbdistanzspieler am angenehmsten, weil sie eben nicht genug Druck aufbauen können....also zumindest ich fühle mich nicht "getroffen" :wink:

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BeitragVerfasst: Dienstag 28. Juni 2011, 10:06 
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MaikS hat geschrieben:
Mhm...ich bin eher extrovertiert, ärgere mich bei Niederlagen, denke das das Spielmaterial eher schnell als langsam sein muss um selbst genügend Druck aufbauen zu können, suche mein Heil eher selber in der Offensive(wobei ich passive Block Konterspieler am ätzensten finde ; ) , der Wechselpunkt ist grade für diesen Spieltyp denke ich die größte Achillesferse, aber nochmehr für Antu/NI VH als für LN/KN, finde grade andere Materialspieler (und da vor allem klassische Abwehrer) und sichere Spinangreifer/Halbdistanzspieler am angenehmsten, weil sie eben nicht genug Druck aufbauen können....also zumindest ich fühle mich nicht "getroffen" :wink:


Mir fällt der extravertierte Materialspieler auch auf. Er gehört jedoch mehr in die Kategorie Block, Konter und Schuss und da stimmt es dann auch. Mit dem System "tischnahes Allroundspiel" wird er wohl auch gut beschrieben.

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BeitragVerfasst: Dienstag 28. Juni 2011, 10:31 
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echt gelungen... die spielertypen sind vielleicht steil erklärt. verdächtig kreativ, hoffe da war kein kopf - tuning oder doping dabei :D :D :D


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