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BeitragVerfasst: Dienstag 7. Februar 2017, 12:44 
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Das Verbot, das sein Leben veränderte

Eine Schlägerseite ist rot, eine ist schwarz - so kennen wir das. Vor 30 Jahren durfte man seinen Schläger aber auch mit zwei gleichfarbigen Belägen bekleben, was vor allem Materialspieler für sich zu nutzen wussten. Die ITTF reagierte 1984 mit der "Zwei-Farben-Regel", was viele Materialkünstler nicht verkrafteten. Einer von ihnen war Mister X, der zeitweise die Nummer drei Deutschlands war. Der xx-Jährige blickt mit uns auf das Verbot, das sein Leben veränderte.

"Beide Schlägerseiten – unabhängig davon, ob ein Belag vorhanden ist oder nicht – müssen matt sein, und zwar auf der einen Seite leuchtend rot, auf der anderen schwarz." So lautet der Paragraph 4.6 der offiziellen Tischtennisregeln, der für die meisten von uns wohl eine Selbstverständlichkeit darstellt. Ältere Semester werden sich hingegen noch daran erinnern, wie man seinem Schläger in früheren Zeiten auf beiden Seiten dieselbe Farbe verpassen durfte - und den Gegner damit vor ganz andere Probleme stellen konnte. Ob auf der Seite, mit der gerade gespielt wird, der Anti, die Noppe oder der glatte Belag klebt, ist eben schwer zu entscheiden, wenn beide Seiten schwarz sind und der Gegner den Schläger vor dem Schlag dreht. 1980 erspielte sich der Engländer John Hilton mit dieser Taktik zum Beispiel den EM-Titel, vier Jahre später wurde die "Zwei-Farben-Regel" eingeführt.

Schneller Aufstieg, schneller Fall
Für viele Materialspieler war diese Regeländerung der Anfang vom Ende. So auch für Mister X, der damals 23 Jahre alt war und für den TTC Simex Jülich in der Bundesliga spielte. "Ich habe das damals völlig falsch eingeschätzt", blickt der xx-Jährige heute zurück. "Aber ab da war ich nicht mehr konkurrenzfähig und es ging rapide abwärts." Anfangs hatte der Abwehrspieler noch mit einem Brettchen auf der Rückhand gespielt - als er nach Jülich wechselte, stieg er auf den Noppenbelag Feint um. In der Hinserie noch mit mäßigem Erfolg, in der zweiten Saisonhälfte verlor er kein Spiel mehr. "Ab da ging es richtig los", erinnert sich Mister X. "Ich wurde Deutscher Jugendmeister, spielte in der Bundesliga, stieg dort ins mittlere Paarkreuz auf. So konzentrierte ich mich mit 18, 19 Jahren nur noch auf Tischtennis."

Vor allem beim Aufschlag konnte der Abwehrspieler von seinen einfarbigen Belägen profitieren. Den Schläger hielt er in der Vorbereitung unter dem Tisch, drehte ihn dort und stampfte mit dem Fuß während des Services auf den Boden, so dass der Gegner kaum Anhaltspunkte hatte, mit welchem Belag - und damit auch mit welchem Schnitt - Mister X gerade spielte. Ähnlich ging er bei Stoppbällen vor, für die er am Tisch auch oft den Schläger drehte. "Ich habe also mein Material ganz bewusst eingesetzt", beschreibt Mister X seine Technik. "Und war damit sehr erfolgreich." Als er dann auf den Anti Power umstieg, der es dem Gegner noch schwerer machte, den Belag anhand des Klangs und der Flugbahn zu identifizieren, machte der aufstrebende Spieler noch einen weiteren Leistungssprung. Bei den Deutschen Meisterschaften schaffte er es ins Halbfinale und durfte 1983 zur WM nach Tokio fahren. An diesem Höhepunkt seiner Karriere wurde dann sein weiteres Schicksal besiegelt: In Tokio beschloss die ITTF, dass die Beläge auf der Vor- und Rückhand künftig nicht mehr dieselbe Farbe haben dürfen.

Umstieg auf Plan B

Mister X war die Tragweite der Entscheidung an diesem Punkt noch nicht bewusst: "Ich war damals sogar auch dafür, dass die Regel kommt. Mir war zwar klar, dass ich nicht mehr unter den ersten sechs sein würde. Aber in den Top 12 habe ich mich schon noch gesehen." Wegen seiner guten Ranglistenplatzierung wurde er in Jülich im oberen Paarkreuz aufgestellt, fuhr dort aber eine Niederlage nach der anderen ein, was das Selbstvertrauen kontinuierlich schmälerte. "Hätte ich im mittleren Paarkreuz spielen dürfen, hätte ich mich langsam an das neue Spiel gewöhnen und eventuell etwas Selbstbewusstsein tanken können. Vielleicht wäre es dann anders gelaufen." Stattdessen folgte der rasche Abstieg. Mister X versuchte es zwar noch mit langen Noppen und einer Umstellung seines Spielsystems, allerdings ohne Erfolg. "Ich habe mich noch eine Zeit lang von Vertrag zu Vertrag gehangelt", erzählt der Oderwälder. "Es war schwer, den Absprung zu schaffen, aber letztlich war es nur eine Frage der Zeit." Vom Verband hätte er sich in dieser schweren Zeit mehr Unterstützung gewünscht, den Weg aus dem Profidasein musste er alleine gehen.

"Letztlich war es gut, dass es so schnell abwärts ging. So konnte ich mich auf meine zweite Karriere konzentrieren", erklärt der Diplom-Holzwirt, der als solcher seine eigene Theorie hat, warum die ITTF die verhängnisvolle Regel damals eingeführt hat. "Es gab sicherlich mehrere Gründe dafür, aber einer war sicher auch, dass man die Tischtennisindustrie auf diese Weise unterstützen wollte. Schließlich musste sich so jeder Tischtennisspieler einen neuen Belag kaufen." Der Kreis der Materialspieler in den obersten Klassen lichtete sich nach dieser Umstellung langsam, wenn auch lange nicht alle Noppen- und Antiakteure dem Leistungssport den Rücken kehren mussten.

"Ich bin dem Tischtennissport dankbar"

Mister X interessiert sich heute überhaupt nicht mehr für Tischtennis und hat auch versucht, zu vermeiden, dass sich seine Kinder für diesen Sport entscheiden. Trotzdem würde er, wenn er die Wahl hätte, alles noch einmal genauso machen. "Einem Abiturienten mit einem 1,0-Abschluss kann ich nicht raten, alles auf Tischtennis zu setzen", erklärt der Familienvater. "Aber als Realschüler, wie ich einer war, geht man ein geringeres Risiko ein. Ich habe dadurch andere Sichtweisen entwickelt, bin durch die ganze Welt gefahren und habe so nachher ganz andere Sprünge machen können." Von daher ist Mister X doch letztlich in versöhnlicher Stimmung, wenn er heute auf seine Karriere zurückblickt. "Letztlich war es das Beste, was mir passieren konnte. Ich bin dem Tischtennissport wirklich dankbar." Es gibt halt immer zwei Seiten einer Medaille oder eines Tischtennisschlägers - ganz egal, welche Farbe sie haben.

:cry:

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BeitragVerfasst: Dienstag 7. Februar 2017, 13:11 
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Michael Plum - vermute ich mal... Kann mich noch vage an so nen Typ erinnern. Vor allem an´s Stampfen beim Service.

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BeitragVerfasst: Dienstag 7. Februar 2017, 13:22 
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eben sag ich ja immer, ein normaler Anti ist zu harmlos!


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BeitragVerfasst: Dienstag 7. Februar 2017, 13:55 
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Mensch Noppi, in die Sphären wirst Du nie vorstossen, bei Dir wird wohl immer ein normaler Anti reichen...

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BeitragVerfasst: Dienstag 7. Februar 2017, 14:12 
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Andy hat geschrieben:
Mensch Noppi, in die Sphären wirst Du nie vorstossen, bei Dir wird wohl immer ein normaler Anti reichen...


Das stimmt nur reicht es in meinen Sphären auch nicht mehr, sehe es ja bei den meisten Antispielern :)


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BeitragVerfasst: Dienstag 7. Februar 2017, 14:17 
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...da liegt es aber dann nicht nur am Anti :wink:

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BeitragVerfasst: Dienstag 7. Februar 2017, 14:25 
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Verteidigerle hat geschrieben:
...da liegt es aber dann nicht nur am Anti :wink:


stimmt einige machen sich in die Hose nur wenn sie einen Anti sehen :wink:


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BeitragVerfasst: Dienstag 7. Februar 2017, 15:06 
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Bei uns in der Liga (Landesliga) spielt ein älterer Herr mit 3x Toni Holz (1x Holz und 2x Anti). Aktueller TTR Wert 1748. Je nach Gegner bleibt er am Tisch oder geht in die lange Abwehr. Er macht das saustark und ist sehr schwer zu spielen.

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BeitragVerfasst: Dienstag 7. Februar 2017, 19:12 
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Unser Jugendspieler, der erst vor drei Jahren angefangen hat, spielt mit einem klassischen Anti lange Abwehr. Er hat TTR 1800.
In diesem Hobbybereich ist das Material egal. Man muss es nur beherrschen und einen eigenen punktbringenden Schlag haben. Das muss kein Topspin sein.


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BeitragVerfasst: Dienstag 7. Februar 2017, 19:32 
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big_fat_man hat geschrieben:
Bei uns in der Liga (Landesliga) spielt ein älterer Herr mit 3x Toni Holz (1x Holz und 2x Anti). Aktueller TTR Wert 1748. Je nach Gegner bleibt er am Tisch oder geht in die lange Abwehr. Er macht das saustark und ist sehr schwer zu spielen.

Beide Seiten den gleichen Anti ist ja wirklich stark.

Dreht er auch :ugly: :lol2:

Ne, mal ehrlich, find ich wirklich interessant. Nichts ist unmöglich.
Das würde ich ja gerne mal sehen. Gibt es dazu zufällig ein Video?

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VG, Ralf
Tenergy 25 1,9mm--- D.TecS--- Grubba Carbon ALL+ 154gr

Noppen... find ich gut!


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BeitragVerfasst: Dienstag 7. Februar 2017, 19:55 
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Mit beidseitig Anti unterwegs ist auch Günter Englmeier, Oberliga Bayern, TTR ca um die 2000.
gibt ein paar Videos bei youtube, bspw
https://youtu.be/__w8WMPfxjQ und noch einige mehr. Genaues Material ist mir nicht bekannt.

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Dr. Neubauer Matador
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Tibhar Grass D'tecs ox


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BeitragVerfasst: Dienstag 7. Februar 2017, 20:26 
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@81Bjoern+Rudi: Ja das streite ich ja auch nicht ab, eure Spieler greifen ja auch an.Aber nur passiv mit dem Anti am Tisch zu krökeln ist viel zu harmlos!


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BeitragVerfasst: Dienstag 7. Februar 2017, 20:33 
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Ja keine Frage, da hast du Recht. Ist halt immer die Frage wie man mit dem Material umgeht, möglich ist zumindest mit einem klassischen Anti eine offensive Spielweise und mit der richtigen Technik auch mit einem GlAnti.

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Dr. Neubauer Matador
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BeitragVerfasst: Dienstag 7. Februar 2017, 22:30 
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Das Verbot der Einfarbigkeit finde ich genauso richtig wie das Verbot der verdeckten Aufschläge. Beides hatte etwas von Beschiss an sich.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 8. Februar 2017, 00:31 
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Leider ist ja durch Einführung aller Neuerungen, begonnen bei eben jener 2-farbigkeit ging es immer zu Lasten des defensiven Spiels gegangen.
Ich schaue mir wirklich sehr viele Spiele von höherklassigen Ligen - ab Oberliga - an und leider sind außer wenigen Abwehrspielern sehe ich weder Kurznoppe oder Anti oder gar Glanti am Tisch überhaupt nicht. Ich stelle es sogar in den Bereichen wo ich mich bewege ein ziemlichen "Einheitsbrei" fest. Lange Noppen am Tisch gibt es wenige bis sehr wenige oberhalb von Bezirksliga - zumindest in der Pfalz. Ich finde es macht unsern Sport deutlich ärmer.
Trotz solcher "Bereinigungen" ist unser Sport so gut wie nicht im Fernsehen vertreten. Selbst Dart und Snooker diese sehr sportlichen Veranstaltungen, sind deutlich häufiger vertreten :!: :wink:

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Der frühe Vogel fängt den Wurm


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