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Schiedsrichter am Tisch coacht eigenen Spieler im Match
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Autor:  bamboole [ Sonntag 8. Dezember 2019, 19:11 ]
Betreff des Beitrags:  Schiedsrichter am Tisch coacht eigenen Spieler im Match

Im Tischtennissport gibt es ja nix, was es nicht gibt. Unterhalb der OL sind in der Regel keine offiziellen SR im Einsatz und die Teams zählen ihre Matches selbst. Schiedsrichter, so habe ich es zumindest in Erinnerung, sollten eigentlich "unparteiisch" und "neutral" sein. Leider ist es aber nicht unüblich und eine verbreitete "Unsitte", dass sich Schiedsrichter am Tisch nicht immer so verhalten und während des Matches und oftmals in den Satzpausen ihren Teamkollegen aktiv coachen oder Tipps geben, wie er das Spiel gestalten soll. Mit "unparteiisch" hat das dann eigentlich nichts mehr zu tun.

In der Jugend habe ich gelernt, dass der Tischschiedsrichter sich da völlig heraushalten soll, keine Gesten oder Kommentare abzugeben hat und nur der Coach oder andere Teamkollegen / Dritte coachen, bzw. irgendwelche Tipps geben dürfen. Habe ich da etwas falsch verstanden oder ist das nur so eine "hausgemachte Regel", die nirgendwo steht so wie "3 Ecken ein 11er"? Frage an die Regelkundigen und Schiedsrichter: Was sagt das Regelwerk dazu?

Kann man als betroffener Spieler diesem Kollegen sinngemäß sagen "Halt gefälligst den Schnabel" und "setz dich auf deine 4 Buchstaben?" und bei Nichteinhaltung den Schiedsrichter austauschen lassen oder Protest einlegen oder das Spiel abbrechen? Letzteres dürfte schwierig werden und den Staffelleiter wegen der Beweislast ins Schwitzen bringen. Eine Störung des gegnerischen Spielers ist eigentlich eine Unsportlichkeit und kann (theoretisch) dem eigenen Kollegen einen Vorteil bringen, da die Konzentration des Gegenparts gestört werden kann.

Gewiss gibt es wieder Leute hier die sagen werden "Das gibt böses Blut", "Man soll sich nicht so anstellen, wir sind ja keine Profis und BlaBla", "Bei uns in der Region ist das üblich und niemand sagt etwas". Sicherlich gibt es auch Spieler, die nervenstark und eiskalt sind und sich nicht aus der Fassung bringen lassen. Ebenso gibt es Aktive, für die es normal ist, den Teamkollegen zu coachen und dies seit Jahrzehnten so machen - ohne böse Absicht und ohne darüber nachzudenken. Auf der anderen Seite gibt es aber auch "alte Recken", die das bewusst einsetzen, speziell um jüngere, noch unerfahrene Spieler aus dem Konzept zu bringen.

"Hab dich nicht so" hilft hier also nicht weiter. Gibt es "Fakten" im Regelwerk, auf die man sich bei einer Beschwerde gegen diese Unart berufen kann? Ob es in der Praxis etwas bringt und sich jemand dran hält, steht auf einem anderen Blatt. Aber gut zu wissen, ob man es eigentlich "dürfen könnte".

Wem ist so etwas schon mal passiert und deswegen mit einem "störenden, coachenden Schiedsrichter" aneinander geraten?

Autor:  Neppomuk [ Sonntag 8. Dezember 2019, 19:41 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schiedsrichter am Tisch coacht eigenen Spieler im Match

So lange der SR am Zählgerät sitzt hat er m.E. neutral zu sein. Sollte er irgendwelche Gesten oder Kommentare geben um meinem Gegner zu helfen bekommt er von mir schon mal ein scharfes "Hei, der SR ist neutral !" zugesprochen. Ist aber kaum nötig. Wenn er seinen Kameraden in den Satzpausen von außerhalb der Box coacht ist mir das egal. Das wird hier allgemein so gehandhabt.

Autor:  Patman [ Sonntag 8. Dezember 2019, 21:31 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schiedsrichter am Tisch coacht eigenen Spieler im Match

Zusammengefasst:
Satzpausen - ok
Zwischendrin - :rtfm: geht gar nicht.

Autor:  Leguan [ Sonntag 8. Dezember 2019, 22:57 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schiedsrichter am Tisch coacht eigenen Spieler im Match

Sehe ich genauso wie Neppomuk und Patman.
Coachen in den Satzpausen muss "erlaubt" sein. Hier wird zum Teil an drei Platten gespielt (Halle muss zu bestimmten Zeiten verlassen werden), und es würde dann zu einer erklatanten Benachteiligung der Auswärtsmannschaft kommen, weil teilweise niemand mehr da ist, der nicht spielt oder zählt.

Autor:  Glasgumminoppe [ Sonntag 8. Dezember 2019, 22:59 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schiedsrichter am Tisch coacht eigenen Spieler im Match

Ist bei uns auch so:

Coaching in den Satzpausen ist üblich, während des Spieles: geht gar nicht.

Autor:  BALLBEISSER [ Sonntag 8. Dezember 2019, 23:16 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schiedsrichter am Tisch coacht eigenen Spieler im Match

Kenn das auch nur so das in den Satzpausen der Schiedsrichter den eigenen Spieler coacht... Hab da bis jetzt auch noch nicht drüber nachgedacht, ob das fair ist oder nicht... Und lass es auch bleiben, weil's mich nicht stört...

Autor:  super-groby [ Sonntag 8. Dezember 2019, 23:16 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schiedsrichter am Tisch coacht eigenen Spieler im Match

Die Frage war doch, so habe ich es zumindest verstanden, ob es dazu eine Regel gibt. :wink:
Ich kenne mich leider im Regelwerk nicht gut aus, so dass ich dazu nicht antworten kann.
In der Praxis jedenfalls bei uns, wird coachen in den Pausen toleriert.

Autor:  0x556c69 [ Montag 9. Dezember 2019, 10:27 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schiedsrichter am Tisch coacht eigenen Spieler im Match

Immer diese Mutmaßungen...

Die Aufgaben des Schiedsrichters und Bestimmungen zum Coaching sind den Regeln B festgelegt:

3.2 Schiedsrichter, Schiedsrichter-Assistent und Schlagzähler
3.2.1 Für jedes Spiel müssen ein Schiedsrichter und ein Schiedsrichter-Assistent eingesetzt werden.
3.2.2 Der Schiedsrichter sitzt oder steht in Höhe des Netzes, und der Schiedsrichter-Assistent sitzt ihm direkt gegenüber auf der anderen Seite des Tisches.
3.2.3 Der Schiedsrichter ist verantwortlich dafür,
3.2.3.1 Spielmaterial und Spielbedingungen zu überprüfen und den Oberschiedsrichter über etwaige Mängel zu informieren;
3.2.3.2 aufs Geratewohl einen Ball auszuwählen (siehe 4.2.1.1–2);
3.2.3.3 Auf-, Rückschlag oder Seite wählen zu lassen;
3.2.3.4 zu entscheiden, ob bei einem körperbehinderten Spieler die Bestimmungen der Aufschlagregel gelockert werden können;
3.2.3.5 die Aufschlag-, Rückschlag- und Seitenreihenfolge zu überwachen und etwaige Irrtümer zu berichtigen;
3.2.3.6 jeden Ballwechsel entweder als Punkt oder Let (Wiederholung) zu entscheiden;
3.2.3.7 nach dem festgelegten Verfahren den Spielstand anzusagen;
3.2.3.8 zur gegebenen Zeit die Wechselmethode einzuführen;
3.2.3.9 für ununterbrochenes Spiel zu sorgen;
3.2.3.10 bei Verstößen gegen die Bestimmungen über Beratung und Verhalten einzuschreiten;
3.2.3.11 durch Los zu ermitteln, welcher Spieler, welches Paar oder welche Mannschaft das Trikot wechseln muss, wenn die Gegner ähnliche Trikots tragen und sich nicht einigen können, wer seins wechselt;
3.2.3.12 dass nur berechtigte Personen am Spielraum (der Box) sind.
3.2.4 Der Schiedsrichter-Assistent
3.2.4.1 entscheidet darüber, ob der Ball im Spiel die Kante der Spielfläche an der ihm zugewandten Seite des Tisches berührt hat oder nicht;
3.2.4.2 informiert den Schiedsrichter über Verstöße gegen die Bestimmungen über Beratung und Verhalten.
3.2.5 Entweder der Schiedsrichter oder der Schiedsrichter-Assistent dürfen
3.2.5.1 entscheiden, ob der Aufschlag eines Spielers falsch ist;
3.2.5.2 entscheiden, ob in einem sonst korrekten Aufschlag der Ball die Netzgarnitur berührt;
3.2.5.3 entscheiden, ob ein Spieler den Ball aufhält;
3.2.5.4 entscheiden, ob die Spielbedingungen auf eine Art gestört wurden, die das Ergebnis des Ballwechsels beeinflussen könnte;
3.2.5.5 die Dauer des Einspielens, des Spiels und der Pausen abstoppen.
3.2.6 Entweder der Schiedsrichter-Assistent oder ein zusätzlicher Offizieller kann als Schlagzähler fungieren, um bei Anwendung der Wechselmethode die Schläge des rückschlagenden Spielers oder Paares zu zählen.
3.2.7 Eine nach 3.2.5–6 vom Schiedsrichter-Assistenten getroffene Entscheidung kann vom Schiedsrichter nicht aufgehoben werden. 3.2.8 In der Zeit zwischen Betreten und Verlassen des Spielraums (der Box) fallen die Spieler unter die Zuständigkeit des Schiedsrichters.

...


5.1 Beratung
5.1.1 In einem Mannschaftswettbewerb dürfen sich die Spieler von beliebigen Personen beraten lassen, die am Spielraum (der Box) zugelassen sind.

---> der SaT ist definitiv am Spielraum zugelassen.


5.1.2 Im Spiel eines Individualwettbewerbs darf sich ein Spieler oder Paar jedoch nur von einer einzigen, dem Schiedsrichter vor dem Spiel benannten Person beraten lassen. Gehören die Spieler eines Doppels verschiedenen Verbänden an, kann jedoch jeder von ihnen einen Berater benennen, die aber in Bezug auf 5.1 und 5.2 als Einheit behandelt werden. Falls ein nicht dazu Berechtigter berät, zeigt ihm der Schiedsrichter eine rote Karte und verweist ihn vom Spielraum (der Box).


5.1.3 Die Spieler dürfen jederzeit, außer während Ballwechsel beraten werden, sofern dadurch das Spiel nicht verzögert wird (vgl. Regel B 4.4.1). Falls eine berechtigte Person Spieler unerlaubt berät, zeigt der Schiedsrichter eine gelbe Karte, um ihn oder sie zu warnen, dass ein weiterer Verstoß dieser Art zu einem Verweis vom Spielraum (der Box) führt.

---> es darf inzwischen VOR oder NACH JEDEM Ballwechsel gecoacht werden. Das war früher anders...

Zusätzlich gibt es ein Dokument zur Regelauslegung vom DTTB (Link unter https://www.tischtennis.de/dttb/regeln-satzung/offizielle-regeln.html). Da steht zum Coaching:

Coaching/Beratung während des Spiels
Das Beraten eines Spielers während des Spiels ist grundsätzlich erlaubt, sofern ge- rade kein Ballwechsel stattfindet und durch die Beratung keine Spielverzögerung ein- tritt. Hierbei ist es unerheblich, ob die Beratung einseitig durch den Berater erfolgt, oder ob ein Dialog zwischen Spieler und Berater stattfindet.
(ITTF-Regelauslegung 2016)

Also: ich sehe keine Bestimmung, die dem SaT im Mannschaftswettkampf - auch zwischen zwei Ballwechseln - das Coachen verbietet. Natürlich muss er seinen Aufgaben neutral nachkommen.

Autor:  bamboole [ Montag 9. Dezember 2019, 11:03 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schiedsrichter am Tisch coacht eigenen Spieler im Match

"5.1 Beratung
5.1.1 In einem Mannschaftswettbewerb dürfen sich die Spieler von beliebigen Personen beraten lassen, die am Spielraum (der Box) zugelassen sind.

---> der SaT ist definitiv am Spielraum zugelassen."

Sehe ich etwas anders. "die am Spielraum (der Box) zugelassen sind".
Der SaT sitzt ja "im Spielraum", der normalerweise ja durch Spielfeldbegrenzungen / Umrandungen abgegrenzt ist und so zur Box wird. Steht er auf und verlässt die Box, wäre er "am Spielraum".

"5.1.2 Im Spiel eines Individualwettbewerbs darf sich ein Spieler oder Paar jedoch nur von einer einzigen, dem Schiedsrichter vor dem Spiel benannten Person beraten lassen. [...] Falls ein nicht dazu Berechtigter berät, zeigt ihm der Schiedsrichter eine rote Karte und verweist ihn vom Spielraum (der Box)."

Dieser Formulierung nach, müsste der Schiedsrichter bei strenger Regelauslegung dann "sich selbst" als Coach vorher benennen (wo würde das vermerkt). Vergisst er das und coacht, müsste er sich selbst eine rote Karte geben und die Box, also den Spielraum in dem erzählt, verlassen. :mrgreen:

Nun ja, zum Glück wird das ja in der Praxis meist nicht so verbissen gesehen. :wink:

Autor:  Kogser [ Montag 9. Dezember 2019, 11:10 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Schiedsrichter am Tisch coacht eigenen Spieler im Match

Individualwettbewerbs

Also müsste er bei einem Mannschaftswettbewerb nach strenger Regelauslegung "nur" die Box verlassen

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