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 Betreff des Beitrags: Betrachtungen zum Spin
BeitragVerfasst: Freitag 26. August 2005, 16:06 
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Registriert: Freitag 12. August 2005, 10:35
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Oft wird in Foren oder auch woanders über den Spin oder dessen Erzeugung diskutiert. In diesem Thread versuche ich einige oft gestellte Fragen zu beantwortet.

Frage: Erzeuge ich mit eher weichen oder härteren Schwämmen mehr Spin?

Antwort: Mit Belägen die einen weichen Schwamm haben lässt sich grundsätzlich mehr Spin erzeugen (im Vergleich zu einem harten Schwamm mit ähnlicher Oberfläche). Entscheidend für die Rotation ist die Oberflächenbeschaffenheit und die "Verweildauer" des Balles auf dieser Oberfläche. Der Ball "gräbt" sich in einen weichen Schwamm tiefer ein und hat somit längeren Kontakt und kann damit stärker in Rotation versetzt werden.


Frage: Profis spielen aber mit eher harten Schwämmen und bekommen extrem viel Spin in die Bälle. Widerspricht dies nicht der Antwort oben?

Antwort: Nein. Profis erzeugen aufgrund ihrer "perfekten" Technik den extremen Spin. Neben dem Spin ist natürlich noch die Geschwindigkeit des Belages wichtig. Harte Schwämme sind in der Regel schneller als Weiche. Es muss ein Kompromiss zwischen theoretisch maximaler Spinerzeugung und Tempo eingegangen werden. Bei hochklassigen Spielern ist Tempo wichtiger als Spin. Durch das Frischkleben werden die harten Beläge dann weicher bzw. elastischer und damit schneller bzw. spinfreudiger.


Frage: Ist das Holz für die Spinentwicklung maßgebend?

Antwort: Ja. Einen direkten Einfluss hat die Holzoberfläche nicht auf die Spinentwicklung. Es kann jedoch sein, dass verschiedene Furniere unterschiedliche Dämpfungen in Kombination mit den Belägen erzeugen. Dies könnte sehr wohl Auswirkungen auf die Kontaktzeit und damit auf die Spinentwicklung haben.

Entscheident ist genauso wie beim Schwamm das Tempo. Prinzipiell könnte man mit einem langsamen Holz mehr Drall erzeugen, da der Ball länger Kontakt mit dem Belag hat. Aber auch hier gilt das gleiche wie beim Schwamm: Jeder Spieler muss für sich die ideale Kombi zwischen Spinentwicklung und Tempo finden.

Neben den Tempo- und Oberflächeneigenschaften ist noch die Kontrolle wichtig. Je schneller die Schlagbewegung desto mehr Spin kann theoretisch erzeugt werden; d.h. wird der Ball schnell gezogen, so wird die resultierende Rotation größer sein als bei einer langsamen streifenden Bewegung. Mit einem kontrollierten Schläger kann der Schlag fester, d.h. die Bewegung schneller ausgeführt werden ohne dass der Ball über die Platte oder in Netz geht.


Frage: Ich blocke die Bälle meines Trainingspartners öfters über den Tisch wenn er eine schnelle Belags/Holz-Kombination spielt als wenn er langsameres Material verwendet. Laut der Antwort oben sollte er aber mehr Spin mit der langsamen Kombination bekommen.

Antwort: Dies kann zwei Gründe haben ...
1. er spielt mit der langsamen Kombi gerader (drallärmer) weil er so mehr Druck machen kann, d.h. er spielt ggf. eher rotationsarme Schlagspins als drallreiche Topspins.
2. seine schnellen Topspins (schnelle Kombi) haben wirklich etwas weniger Drall, du blockst sie aber über den Tisch weil du sie wegen dem hohen Tempo nicht gut triffst. Du bist vielleicht oft zu spät am Ball und kannst den Schläger nicht mehr rechtzeitig schließen.


Frage: Kann man mit katapultigen Balsahölzern grundsätzlich weniger Spin erzeugen?

Antwort: Ja und Nein. Balsahölzer haben keine linearen Tempoeigenschaften, d.h. bei leichten Schlägen verhalten sich diese Hölzer eher langsam (geringe Beschleunigung des Balles), bei schnellen Schlägen "explodieren" sie regelrecht (hohe Beschleunigung). Dieses Verhalten nennt man Katapult. In Bild 1 wird der Zusammenhang zwischen Schlagstärke und Tempo schematisch dargestellt.

Bild

Bild 1

Das Katapult ist bei geraden Schlägen (Schuss, Block, Konterbälle) am größten, bei tangentialen Schlägen wie Topspin und Schupfen am kleinsten. Der Grund für diese Eigenschaft ist das sehr weiche und nachgiebige Balsaholz. Im weitesten Sinne kann man sich ein Balsaholz wie ein Trampolin vorstellen.

Da Balsahölzer bei niedrigem Schlagtempo (senkrecht zum Schlägerblatt) relativ langsam sind (geringes Katapult) kann viel Spin erzeugt werden. Wird der Schlag fester nach vorne ausgeführt so nimmt das Katapult zu, der Schlag wird schneller und die Kontaktzeit von Ball und Schläger geringer. Die Folge ist eine geringere Spinentwicklung als mit katapultlosen Schlägern. In Bild 2 wird der Zusammenhang zwischen Spin und Schlagstärke schematisch dargestellt. Der Spin wird bei zunehmender Schlagstärke (siehe oben) geringer, da die Kontaktzeit zwischen Ball und Schläger kürzer wird.

Bild

Bild 2

Der Unterschied in der Rotation zwischen schnellem Schlagspin und eher langsamen Topspin ist bei Balsahölzern i.d.R. größer als bei klassischen Schlägern. Dies wird von vielen Spielern als Vorteil angesehen. Nachteil ist, dass feste Topspins weniger Drall haben. Da extrem schnelle Bälle auch einen gewissen Spin haben müssen (damit sie, bedingt durch die Rotation noch auf den Tisch kommen), kann im hohen Tempobereich druckvoller mir klassischen d.h. katapultlosen Hölzern gespielt werden.

Letzteres ist vermutlich der Grund warum Profibereich kaum mit Balsahölzern gespielt wird. Im mittleren und unteren Leistungsbereich gibt es viele Spieler, die die Eigenschaften eines katapultigen Schlägers bevorzugen. Oft sind dies Spieler denen die Variabilität beim Spin wichtiger ist als sehr hohes Tempo.


Frage: Gelten die oben getroffenen Aussagen auch bei glatten langen Noppen?

Antwort: Nein. Glatte Noppen können selbst keinen Spin erzeugen. Rotierende Bälle verliegen aber beim Kontakt mit den Noppen wenig Drall. Der Gegner bekommt seinen eigenen Spin "zurück". Da der Ball seine Rotationsrichtung nicht ändert, jedoch seine Flugrichtung wird aus dem ankommenden Überschnitt Unterschnitt (und umgekehrt: Aus Unterschnitt wird Überschnitt).

Bei kurzer Kontaktzeit wird die Rotation wenig abgebremst, bei längerem Kontakt dementsprechend mehr. Vgl. mit oben: Dort war es umgekehrt, d.h. langer Kontakt viel Spinerzeugung, kurzer Kontakt wenig Drallentwicklung. Die beste Schnittweiterleitung liefern deshalb glatte Noppen ohne Schwamm, da hier die Kontaktzeit von Belag und Ball am kürzesten ist.

Neben den Oberflächeneigenschaften der Noppen ist in diesem Fall noch das Holz sehr wichtig. Schnelle Hölzer mit harten Deckfurnieren haben in der Regel eine sehr gute Spinumkehr (kurze Berührungszeit), langsame Hölzer mit weichen Außenfurnieren normalerweise ein schlechte Schnittweiterleitung.


Dies war es erstmal, ich hoffe eine rege Diskussion und eure Meinungen :idea:

Grüße

Jörn

_________________
a) Holz: Signum (Neuentwicklung) - VH: Tibhar Aurus Sound
b) Holz: Wallenwein Omega - VH: XIOM Vega Europe ...

RH: 'ne Noppe


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BeitragVerfasst: Montag 29. August 2005, 13:35 
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Registriert: Montag 15. August 2005, 07:13
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Hallo,

als erstes einmal ist die von Dir erstellte Übersicht wirklich sehr gut, zumal sie auch als Entscheidungshilfe dienen kann ob man in Zukunft ein Balsaholz spielen möchte oder ein Holz alter Bauart. :wink:

Für mich steht nachdem ich Deine fast schon wissenschaftliche Abhandlung gelesen habe fest, dass ich kein Balsaholz spielen werde.
Für mich ist es wichtig, dass Spin und Tempo in einem linearen Verhältnis stehen müssen.
Ich muss wissen, was ich in den Ball "reinlege", damit ich auf den kommenden Rückschlag auch entsprechend reagieren kann. Z. B. ich spiele einen Schlagspin, es folgt ein Block des Gegners, ich kann jetzt mit eine etwas offeneren Schlaghand den kommenden Ball "nachschlagen" als wenn ich vorher einen Drallorientierten Topspin gespielt habe, hier müsste ich wieder stärker über den Ball gehen bzw. ziehen. Wenn ich dieses aber aufgrund der Holzeigenschaften von Balsahölzern nicht richtig antizipieren kann geht der nächste Schlag schon in Richtung eines "Glückspiels", da ich selber dann nicht mehr sicher sein kann, ob ein drallarmer oder drallreicher Ball zurück kommt.

Bis dann

und Grüße aus Essen

Der Quäler :P

_________________
Zum Schläger: Ich habe was ich brauche. (Matsushita Powerdefence, FL II OX, [color=#000000]Tibhar Defense Super 40 1,6 mm/color])

Dazu ein trockenes Handtuch, Badelatschen und Duschgel für danach und die Tischtenniswelt ist in Ordnung.


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BeitragVerfasst: Montag 29. August 2005, 14:48 
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Der Quäler hat geschrieben:
Ich muss wissen, was ich in den Ball "reinlege", damit ich auf den kommenden Rückschlag auch entsprechend reagieren kann.


hiho :-)

das weisst du auch mit einem balsaholz. in der regel hat eigentlich nur dein gegner probleme mit dem schnittwechsel. der schnittwechsel bei balsa halt ist nur etwas größer - d.h. schlagspin weniger effet, topspin mehr effet. man darf sich dies aber nicht so stark vorstellen, dass ein schlagspin von dir - nachdem er geblockt wurde - wie von einem anti geschlagen - spinlos zurückkommt (wobei es toll wäre wenn das stimmen würde :wink: ).

wenn du einen leeren ball spielst oder einen US-schupf, dann weist du ja was in etwa zurück kommt wenn du den schlag deines gegners beobachtest. anders ist es mit balsa auch nicht. es ist in keinster weise ein "glücksspiel".

ich denke sowieso, dass die streuungen, die durch nicht perfekt getroffene bälle entstehen, in der regel größer sind als die wirkung des holzes. den "unterschied" in sachen schnitt - welcher vom holz ausgeht - merkt vielleicht dein gegner aber sicherlich nicht mehr du selbst bei deinem nächsten schlag.

ob balsa, carbon, klassisch oder was auch immer ... oft - oder so gut wie immer? - entscheidet das persönliche empfinden. meines erachtens ist die richtige wahl eines holzes viel schwieriger und auch viel wichtiger als die belagswahl. aus diesem grund bin ich immer über die noch so kleine hilfe dankbar gewesen. aber: man muss seine richtung kennen und diese kennt man meiner meinung nach erst nach dem man alle grundsätzlichen holztypen mal probiert hat.

carbon ist beispielsweise nix für mich. mit einem klassischen mittelschnellen off-holz oder flottem allroundholz könnte ich spielen. balsahölzer unterstützen mein spiel 100%ig also fällt mir persönlich die wahl nicht schwer - in der hinsicht habe ich glück gehabt 8) ... schade, dass es bei belägen nicht auch so ist :cry:

grüße

jörn

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a) Holz: Signum (Neuentwicklung) - VH: Tibhar Aurus Sound
b) Holz: Wallenwein Omega - VH: XIOM Vega Europe ...

RH: 'ne Noppe


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BeitragVerfasst: Freitag 23. September 2005, 16:27 
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Jörn Hut ab,

das ist eine sehr gute und verständliche Darstellung einer nicht ganz eifachen Materie. :!: :!: :!:

Beste Grüße vom Noppenjoe :D

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Sei die Noppe mit Mir!!!


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BeitragVerfasst: Freitag 23. September 2005, 16:30 
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